Der blinde Fleck der Linken

Warum Israelhass wichtiger ist als vergewaltigte Frauen im Iran

Der blinde Fleck der Linken

Warnhinweis: Dieser Text beschreibt extreme Gewalt. Wer das nicht erträgt, sollte jetzt aufhören zu lesen.


Während in deutschen Städten Woche für Woche Demonstrationen gegen Israel stattfinden, während „Solidarität mit Palästina“ skandiert wird und Hamas-Parolen als „Widerstand“ verharmlost werden, geschieht zur gleichen Zeit etwas, das für dieselben Milieus offenbar keinerlei Bedeutung hat.

Im Iran werden Frauen vergewaltigt, gefoltert, verstümmelt und verbrannt.
Systematisch. Staatlich organisiert. Als Terrorinstrument.

Seit Ende Dezember gehen Menschen im Iran gegen das Mullah-Regime auf die Straße. Vor allem Frauen. Sie legen das Kopftuch ab, sie fordern Freiheit, Würde, Selbstbestimmung. Die Antwort des Regimes ist rohe, archaische Gewalt.

Berichte aus dem Iran – unter anderem von WELT und von dem deutsch-iranischen Journalisten Michel Abdollahi – zeichnen ein Bild, das kaum auszuhalten ist:
Sicherheitskräfte werfen junge Frauen in Transporter und sagen ihnen ins Gesicht:
„Wir töten euch nicht. Erst vergewaltigen wir euch. Dann töten wir euch.“

Frauen werden vor ihrer Ermordung misshandelt, vergewaltigt, verstümmelt.
Leichen werden verbrannt, damit Familien nicht sehen, was geschehen ist.
Vergewaltigung wird gezielt eingesetzt – auch gegen Kinder –, um Angst zu erzeugen, um Widerstand zu brechen, um ein ganzes Volk zu terrorisieren.

Und nun stellen wir die einfache, brutale Frage:

Wo sind die Demonstrationen?
Wo sind die Solidaritätsmärsche?
Wo sind die Tränen, die Plakate, die Hashtags?

Die Antwort ist ebenso einfach wie beschämend:
Sie existieren kaum.

Die politische Linke in Deutschland – und weit darüber hinaus – interessiert sich nicht für die Frauen im Iran. Nicht ernsthaft. Nicht nachhaltig. Nicht laut.
Denn das iranische Regime passt nicht ins Feindbild-Schema.
Es ist antiwestlich. Es ist antiisraelisch. Es ist islamistisch.

Und genau hier liegt der Kern des Problems.

Der Hass auf Israel ist für diese Milieus identitätsstiftend geworden.
Er funktioniert als moralischer Kitt, als Projektionsfläche, als Ersatzreligion.
Wer gegen Israel demonstriert, fühlt sich automatisch auf der „richtigen Seite der Geschichte“ – egal, mit wem er objektiv gemeinsame Sache macht.

Dass genau dieses Regime Frauen vergewaltigt und ermordet, dass es Homosexuelle aufhängt, Dissidenten foltert und Kinder terrorisiert, stört dabei nur. Es passt nicht zur Erzählung vom „unterdrückten globalen Süden“.

Also schweigt man.
Oder relativiert.
Oder schaut weg.

Das ist kein Zufall. Das ist keine Nachlässigkeit.
Das ist Ideologie.

Ein Weltbild, in dem Israel per Definition Täter ist, während seine erklärten Feinde – Hamas, Hisbollah, das iranische Regime – zu „Kontexten“, „Komplexitäten“ oder gar „Widerstandsbewegungen“ umgedeutet werden.

Wer heute lautstark gegen Israel demonstriert, während er zu den Verbrechen im Iran schweigt, ist nicht humanistisch.
Er ist nicht feministisch.
Er ist nicht progressiv.

Er ist antisemitisch – und faktisch pro-islamistisch.

Nicht, weil er das offen bekennt.
Sondern weil seine Empörung selektiv ist.
Weil sein moralischer Kompass immer dann versagt, wenn Juden nicht die Täterrolle spielen.

Die Frauen im Iran brauchen keine wohlfeilen Phrasen.
Sie brauchen internationale Aufmerksamkeit.
Sie brauchen Druck.
Sie brauchen Solidarität – echte, laute, kompromisslose Solidarität.

Dass sie diese ausgerechnet von jenen nicht bekommen, die sich selbst als moralische Avantgarde inszenieren, ist einer der größten Skandale unserer Zeit.

Und ja:
Dieses Schweigen ist nicht neutral.
Es ist eine Entscheidung.

Jonathan Falk