Die Hisbollah-Spur in Berlin – eine Rekonstruktion
Schläfer, Netzwerke, Loyalitäten: Wer prüft die Verfassungstreue?
Berlin nennt sich Hauptstadt der Freiheit. Hauptstadt der Demokratie. Hauptstadt der offenen Gesellschaft.
Und doch zwingt eine aktuelle Recherche zu einer Frage, die man in einer Demokratie nicht stellen wollen dürfte – aber stellen muss:
Wie nah ist die politische Macht in Berlin an Milieus, in denen Terrororganisationen nicht bekämpft, sondern verehrt werden?
Die folgenden Punkte beruhen auf einer Recherche von Felix Perrefort (08.01.2026). Es geht hier nicht um eigene Vorwürfe, sondern um die Rekonstruktion eines Netzwerks, das öffentlich dokumentiert ist – mit Fotos, Webseiten, Veranstaltungsankündigungen und Namen. Alles, was folgt, ist entweder zitiert, belegt oder als offene Frage kenntlich gemacht.
Bevor Namen fallen, muss klar sein, wovon wir sprechen.
Die Hisbollah wurde 1982 gegründet, maßgeblich aufgebaut durch die iranische Revolutionsgarde. Sie führte Kriege gegen Israel, war zentraler militärischer Akteur im Syrienkrieg auf Seiten Assads und ist verantwortlich für schwere Terroranschläge: 1983 in Beirut, 1994 in Buenos Aires, 2012 in Burgas, dazu Raketenangriffe bis in die Gegenwart. Deutschland stuft sowohl den politischen als auch den militärischen Flügel der Hisbollah als Terrororganisation ein.
Wer diese Organisation glorifiziert, verherrlicht Terror.
Im Zentrum der Berliner Recherche steht Raed Saleh. Seit 2011 ist er Fraktionsvorsitzender der Berliner SPD, zwischenzeitlich Landesvorsitzender, einer der einflussreichsten Politiker der Hauptstadt. Er ist kein Randakteur, sondern ein Machtzentrum. Die Recherche stellt ihn nicht als Terrorunterstützer dar. Sie stellt etwas anderes dar: sein politisches und persönliches Umfeld – und fragt, mit wem er seit Jahren eng zusammenarbeitet.
Ein zentraler Name in diesem Umfeld ist Abed Khattar. Er betreibt seit rund zehn Jahren eine umfangreiche Website, auf der er Treffen, Empfänge und Veranstaltungen mit arabisch-islamischem Bezug dokumentiert. Dort finden sich über Jahre hinweg zahlreiche Fotos mit Raed Saleh. Khattar taucht bei SPD-Veranstaltungen auf, wird dort als selbstverständlicher Teil des Umfelds gezeigt. Gleichzeitig dokumentiert dieselbe Website Bilder, die Khattar mit Akteuren und Symbolen aus extremistischen Milieus zeigen.
Besonders brisant: Khattar posiert mit Sahili Nawar, einem Politiker der Hisbollah. Auf einer Veranstaltung wird Nawar als Ehrengast präsentiert, mit Titeln wie „Seine Exzellenz“ geehrt. Die Recherche fragt zu Recht: Warum wird ein Politiker einer in Deutschland verbotenen Terrororganisation auf Berliner Veranstaltungen hofiert?
Noch brisanter wird es durch die zeitliche und personelle Nähe. Bereits 2016, so zeigt ein Foto, stehen Raed Saleh und Abed Khattar gemeinsam auf einer SPD-Veranstaltung. Die Verbindung läuft also nicht direkt Saleh–Hisbollah, sondern über einen Mann, der sowohl im SPD-Umfeld verkehrt als auch offen Kontakte zu Hisbollah-Politikern pflegt.
Die dritte Figur im Netzwerk ist Jamal El Moghrabi. Er ist Schatzmeister des Deutsch-Arabischen Dachverbandes, war Vorsitzender der Deutsch-Arabischen Unabhängigen Gemeinde und Geschäftsführer mehrerer NGOs mit Bildungs- und Migrationsbezug. Laut Recherche fungiert er als organisatorischer Netzwerker zwischen Vereinen, Veranstaltungen und politischen Kontakten. Seine Organisationen treten teils ausschließlich auf Arabisch auf – Integration in die deutsche Gesellschaft scheint nicht im Zentrum zu stehen, sondern die Verwaltung einer eigenen Parallelstruktur.
So entsteht ein Dreieck:
Raed Saleh – politische Macht.
Abed Khattar – mediale Inszenierung.
Jamal El Moghrabi – NGO- und Netzwerkstrukturen.
Und über Khattar führen Linien weiter: zu einem Hisbollah-Politiker, zu Symbolen der PFLP, zu Propaganda des Netzwerks Samidoun. Samidoun gilt in Deutschland als extremistisch und ist inzwischen verboten, wird der PFLP zugerechnet und tritt offen pro Hisbollah auf. Bilder zeigen Khattar vor Samidoun-Flaggen, mit PFLP-Symbolik, bei entsprechenden Veranstaltungen – teils sogar vor dem Brandenburger Tor.
Diese Bilder sind öffentlich einsehbar. Sie stammen aus genau der Quelle, die auch seine Nähe zur SPD dokumentiert.
Noch beunruhigender: Khattar wird nicht nur mit Saleh gezeigt, sondern auch mit anderen Spitzenpolitikern, darunter der frühere Regierende Bürgermeister Michael Müller. Beim Neujahrsbrunch der SPD-Fraktion 2020 taucht er auf Fotos mit Müller auf. Er bewegt sich sichtbar in den inneren Kreisen der Berliner Sozialdemokratie – während er gleichzeitig Kontakte zu extremistischen Milieus pflegt.
Die Recherche hat Raed Saleh dazu befragt: Wie steht er zur Einladung eines Hisbollah-Politikers? Hält er das mit den Werten der SPD für vereinbar?
Eine Antwort blieb aus.
Hier geht es nicht um Herkunft, nicht um Religion, nicht um Kultur. Es geht um politische Verantwortung. Wer Macht ausübt, trägt Verantwortung für sein Umfeld, seine Netzwerke und für die Personen, die er durch Nähe aufwertet. Wenn man über wenige personelle Ecken vom Vorsitzenden der Berliner SPD-Fraktion zu einer Terrororganisation gelangt, dann ist das keine Nebensache. Dann ist das eine Sicherheitsfrage. Eine Integritätsfrage. Eine Demokratiefrage.
Niemand behauptet, Raed Saleh unterstütze Terror. Die Recherche zeigt etwas anderes: ein politisches Umfeld, das blind wird, wenn ideologische Nähe, Milieu-Treue oder Machtarithmetik wichtiger werden als demokratische Klarheit. Die entscheidenden Fragen bleiben offen:
Wer wusste was?
Wer hat geprüft?
Wer hat weggesehen?
Wer trägt Verantwortung?
Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, bleibt auch der Verdacht bestehen, dass in Berlin eine politische Struktur existiert, die extremistische Milieus nicht klar bekämpft – sondern ignoriert, duldet oder verharmlost.
Und hier kommt ein Gedanke ins Spiel, den man sonst aus Thrillern kennt: der früh platzierte Schläferagent. In vielen Geschichten wird er lange nicht erkannt, bewegt sich unauffällig im System, bis er im entscheidenden Moment wirksam wird. Staaten wie China zeigen in Nachbarregionen und darüber hinaus, wie Einfluss auch über gezielte Migration, Vernetzung und langfristige Platzierung von Loyalitäten aufgebaut wird.
Die eigentliche Frage lautet deshalb: Wer prüft in Zeiten massenhafter Migration systematisch die Verfassungstreue jener, die in Spitzenpositionen von Politik, Wirtschaft, Medien und NGOs aufsteigen? Wer kontrolliert nicht nur Herkunft und Papiere, sondern ideologische Bindungen, Loyalitäten und Netzwerke?
Denn eine Demokratie verliert nicht zuerst durch Panzer oder Raketen.
Sie verliert durch Gleichgültigkeit gegenüber ihren eigenen Verwundbarkeiten.